Auf der Suche nach den Wurzeln

Die Wurzel alles Guten [Rezension]

Der Finne Pekka Kirnuvaara, getrennt lebender Familienvater, steht vor dem Problem, einen Zahnarzt zu brauchen. Er sitzt auf den Behandlungsstuhl und stellt fest, dass der Doktor glatt sein Bruder sein könnte. Und tatsächlich, sie haben den gleichen Vater. Die Brüder sind sehr unterschiedlich. Pekka ist sehr redefreudig und pflegt seine Zähne nicht. Esko Kirnuvaara, der Ältere, hält dagegen viel von der Pflege der Zähne. Klar, er ist ja auch Zahnarzt. Dafür ist er der Ruhige und redet nicht gerne. Die beiden Männer sind als Kleinkinder von ihrem Vater verlassen worden. Ihre Mütter waren nicht gut auf den Vater zu sprechen. Und doch wollen die Söhne herausfinden, wo der Vater abgeblieben ist und warum er sie allein gelassen hat. Sie machen sich auf die Suche nach ihrer Wurzel.

Die Wurzel alles Guten 1

Seine Familiengeschichte mit einer Wurzelbehandlung zu vergleichen, das ist schon mal ein besonderes Erlebnis. Der Autor hat die Kapitel mit den einzelnen Stationen der Behandlung überschrieben. Und witziger Weise, passt es tatsächlich. Am Anfang muss man eben erst einmal den Zahn aufmachen, um an das Übel heran zu kommen. In der zweiten Station wird gesäubert und provisorisch verschlossen… So kann man eben auch den Vorgang erklären, wenn es um die Aufarbeitung der Beziehung zum verschwundenen Vater geht. Auf ihrer Suche nach dem Vater treffen die alten Männer auf immer mehr Geschwister. Einer Spur, die ihr Erzeuger hinter sich her zog. Und alle Kinder haben eine Gemeinsamkeit, sie wurden als Kleinkinder mit ihren Müttern allein gelassen.

 

Miika Nousiainen hat eine witzige Art zu schreiben. Spitzer und feiner Humor bringt immer wieder Lacher hervor. Seine beiden Hauptfiguren sind so unterschiedlich und so herrlich beschrieben, dass es Spaß macht sich auf die Beiden einzulassen. Pekka und Esko erzählen abwechselnd aus ihrer Sicht. Jeder in seiner Art, was die Geschichte sehr unterhaltsam und sehr lebendig macht. Zum Ende hin, kam mir dann doch alles etwas zu sehr herangezogen vor. Als wollte der Autor möglichst viel und schnell noch abhandeln. Dabei erfährt man doch einiges über das Gesundheitssystem in Finnland und andern Orts. Über die Finnen an sich, und die Behandlung und Verwahrung von Kindern in anderen Ländern. Miika Nousiainen wickelt einen mit seiner leichten Schreibweise ein und vermittelt nebenbei noch Politisches und Soziales, ohne mit dem Zeigefinger zu wackeln.

 

Ich fand es ein erfrischendes Buch, das man gut lesen kann.

 

Von Miika Nousiainen, Schriftsteller, TV-Journalist und Drehbuchautor

Übersetzt von Elina Kritzokat

Verlag: Nagel + Kimche

Seiten: 256

ISBN 978-3-312-01038-7

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Mein wundervolles Weihnachtsfest

 

Ein Ausmalbuch für Erwachsene. Herrliche Weihnachtsbilder laden zum entspannten ausmalen ein. Zuckerzeug, Weihnachtsbaum und Schneekugel. Kleinteilige weihnachtliche Bilder, die viel Zeit verlangen und dem Ausmalenden zur Entspannung verhelfen. Die Seiten kann man aus dem Buch trennen, denn sie sind perforiert. Die Rückseiten haben ein zartes Muster mit Weihnachtsmotiven. So kann man sie als Geschenkpapier benutzen oder das Bild verschenken. Ausmalwütige könnten sich an diesen Rückseiten auch noch vergnügen. Die Blätter sind dick genug, dass auch Filzstifte nicht durchdrücken.

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Ich habe seit Kindertagen nicht mehr ausgemalt. Damals mochte ich schon keine Filzer, die waren mir zu kräftig. Nachdem ich mir neue Buntstifte besorgt habe, suchte ich mir ein Motiv aus und fing einfach an. Die Minuten glitten leise und schnell vorbei, aber das Bild war noch lange nicht ausgemalt. Um ehrlich zu sein, wollte ich auch gar nicht, dass das Bild so schnell fertig war. Ausmalen macht tatsächlich Spaß! Mit Buntstiften kann man ganz wunderbare Farbübergänge produzieren. Dafür sind Filzer eben sehr klar und kräftig. Wenn man ein Bild fertig gemacht hat, kann man es über die Sozialen Netzwerke teilen oder sich Anregungen von anderen Ausmalern holen. Dazu gibt einfach #JohannasChristmas in die Suchmaschine und schon sieht man echte Kunstwerke.

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Johanna Basford hat schon einige Ausmalbücher kreiert. Auch mein “Phantastischer Ozean” und der “Geheimnisvolle Dschungel” sind Bücher, die schon beim Durchblättern, freude machen. Also zückt die Buntstifte, Filzer oder was auch immer ihr möchtet. Schalte bei einer Runde ausmalen, einfach mal ab. Ich kann es nur empfehlen.

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Fischer Verlag

Paperback

ISBN: 978-3-596-29731-3

Lebensgeister

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Manchmal habe ich das Gefühl, Bücher suchen sich ihre Leser selber aus. “Lebensgeister” kommt mir zu einer passenden Zeit in die Hände,…

Nach einem schweren Unfall und dem Verlust ihres Geliebten, versucht Sayoko wieder in ein normales Leben zurück zu finden. All ihre Pläne sind dahin, ein schönes Leben zu führen. Sayoko blickte kurzfristig in die Welt der Toten, traf ihren Großvater, der sie aber in die reale Welt zurück schickte. Seitdem ist alles anders. Die junge Japanerin kann Geister sehen. Was sie allerdings nicht verschreckt, sondern eher dazu bringt, sich mit dem Leben, der Liebe und den Beziehungen, auseinander zu setzen.

“Es gibt viele Menschen, die sich nach einer radikalen Änderung sehnen, aber nur wenige, die ihr wahres Wesen begreifen.” Seite 86

Banana Yoshimoto schreibt locker vom Tod und den Erfahrungen, die ihre Hauptdarstellerin Sayoko durchleben muss. Mit leichter Feder beschreibt die Autorin das Trauma der Protagonistin und wie sie damit umgeht. Die Gefühle ihrer Hauptfigur sind teilweise so schön beschrieben, dass man immer wieder tief durchatmen muss und einfach nur genießt. Das gesamte Buch strotzt vor Lebensweisheiten und wunderschönen Beschreibungen. Die 160 Seiten sind eine wahre Wonne. Auch wenn es sich um ein schwieriges Thema, wie den Tod und das Leben, für die Zurückgebliebenen handelt, liest es sich sehr schnell und unterhaltsam. Banana Yoshimoto, die eigentlich Mahoko mit Vornamen heißt, zaubert mit ihren Worten lächelnde Gedanken.

“Wenn du zu weit nach vorne schaust, stolperst du. Verweile lieber im Moment, und gehe Schritt für Schritt deinen Weg.” Seite 111

Was mir auch sehr gefallen hat, sind die Fußnoten des Übersetzer. Banana Yoshimoto, benutzt häufig japanische Begriffe, die wir Europäer nicht kennen (können). Thomas Eggenberg, scheint mir ohnehin ein passender Übersetzer, für dieses Buch.

geschrieben von Banana Yoshimoto wp-1478004454151.jpeg
im Diogenes Verlag erschienen
Paperback
160 Seiten
erschienen am 28. September 2016
ISBN 978-3-257-30042-0

Hool

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Heiko Kolbe hat zwei Familien. Eine, in die er hineingeboren ist und Eine, die er sich ausgesucht hat. Wo er sich wohl fühlt und glaubt er gehöre dorthin, ist eine Gruppe von Männer, die sich nur um Fußball kümmert. Genauer gesagt, um Hannover 96. Sie treffen sich nach den Spielen auf einer Wiese und hauen sich gegenseitig auf’s Maul. Heiko hofft schon seit längerer Zeit, Anführer dieser Gruppe zu werden, aber sein Onkel Axel, der den Haufen in der Hand hat, gibt das Zepter nicht ab.
Heikos echte Familie steckt in verschiedenen Miseren. Der Vater Alkoholiker (Heiko kann ihm längst das Wasser reichen!), wird von Heikos Schwester zum Entzug in eine Rehaklinik gesteckt. Die Stiefmutter, Heikos richtige Mutter ist verschwunden, stammt aus Thailand und ist nicht in der Familie willkommen. Manuela, die Schwester, ist unglücklich, weil sie andere funktionierende Familien um sich hat und weiß, dass ihre so nie sein wird.

Das Gefühlsleben des jungen Mannes kommt hervorragend rüber und die brutalen Szenen sind erstklassig beschrieben. Man hat das Gefühl, mittendrin zu stehen. (nicht, dass das mein Wunsch wäre!) Der Text ist einfach und schnell zu lesen. Die Story hat Hand und Fuß. Mich hat eher diese plumpe Clique verschreckt. Die nur auf Schläge aus ist. Die aber ebenfalls voller Komplexe steckt, sich dem echten Leben nicht stellt und dumpf vor sich hin stapft. Verrückte Typen sind dabei vertreten, wie Armin, der Tiere sammelt, wie Tiger und Bartgeier.

„…Sie bereitete Kaffee und Kuchen vor. Das war sone feste Tradition im Hause Seidel. Irgendwie auch schön, schätze ich. Hab das ja nie so wirklich gekannt. Also von mir zu Haus. Andererseits erschien mir das auch ziemlich nervig. Das man sich um Punkt halb vier nachmittags immer am Küchentisch einfinden musste. Ob man nu Bock auf Kaffee und Kuchen hatte oder nicht. Das galt auch für uns als Hausgäste. Wurde einfach so auf uns übertragen, die Regel. Außer mir schien das aber niemandem komisch vorzukommen…“ (Seite 135)

Auf den ersten Seiten des Buches konnte ich nicht sagen, ob mich das Buch in seinen Bann gezogen hätte. Fußball ist für mich ein Sport, der mich meistens nur zu den Weltmeisterschaften interessiert. Dass es Hooligans gibt, weiß ich. Was die allerdings antreibt, ist mir ein Rätsel. Was auch durch diesen Roman nicht besser geworden ist. Etwa ab der Mitte des Buches, war ich allerdings tatsächlich gefangen und las mich an einem Nachmittag durch den gesamten Roman. Die Schreibweise von Phillip Winkler erinnerte mich ein bisschen an Sven Regeners “Herrn Lehmann”. Der Roman mutet ab und an auch witzig an, lässt mich aber auch nachdenklich zurück. Welche Wut den jungen Mann antreibt, solche brutalen Ausbrüche zu veranstalten?

Mein Fazit: wenn man sich mit der Schnoddersprache der Hauptdarsteller angefreundet hat und sich über die ersten Seiten hinein gelesen hat, ein sehr unterhaltsamer Roman.
Philipp Winkler hat selber aus seinem Buch vorgelesen. Er wählte hierfür nicht die rauen, brutalen Scenen, sondern eine Nachdenkliche. Eine Stelle, die für Heiko steht. Phillip Winkler wirkt so, als wüsste er wovon er schreibt. Als wäre ihm, die Holliganscene nicht unbekannt.

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„Philipp Winkler, 1986 geboren, aufgewachsen in Hagenburg bei Hannover. Studierte Literarisches Schreiben in Hildesheim. Lebt in Leipzig. Auslandsaufenthalte im Kosovo, in Albanien, Serbien und Japan. Neben Veröffentlichungen in Literaturmagazinen und -anthologien, erhielt er 2008 den Joseph-Heinrich-Colbin-Preis und 2015 für Auszüge aus Hool den Retzhof-Preis für junge Literatur des Literaturhauses Graz. „HOOL“ ist sein Debütroman.“ (Autorenprofil vom Aufbau Verlag)

Erstausgabe:19.09.2016
Verlag : Aufbau Verlag
ISBN: 9783351036454
Fester Einband 310 Seiten

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